Anfang November haben mein Bruder und seine Freundin von Österreich aus ein Packerl weggeschickt.So sah es aus bei der Abreise: 
Es war gefüllt mit diversen guten Sachen. Die Post hat sich dann doch einige Zeit gelassen und das Packerl ist nach ungefähr einem guten Monat bei mir angekommen (das sollte eigentlich nicht die Regel sein). Der Inhalt wurde ganz offensichtlich gründlich untersucht und deswegen hat auch nicht alles die Reise überlebt. Ich bin trotzdem sehr dankbar für all die guten Sachen und habe sie teilweise schon genossen (meinen Geburtstagstorten-Selbstbausatz habe ich halt erst Anfang Dezember genossen, war trotzdem sehr gut).
Wie schaut ein Packerl nach so einer Reise dann eigentlich aus?
Archiv für Dezember, 2007
Nachtrag: Post von Österreich nach Indien
Manali und zurück mit dem Motorrad
Ich bin euch noch etwas schuldig. Letztes Wochenende haben wir einen Motorradausflug nach Manali geplant. Manali ist ungefähr 250 km entfernt, wenn ich mich nicht täusche. Für die Abfahrt haben mein Zivikollege, ich und vier weitere Freunde aus Kanada und Tibet den Freitag ins Auge gefasst. Leider hat uns der Regen einen Strich durch die Rechnung gemacht und wir mussten die Reise verschieben. Aufgrund verschiedenster Gründe sind uns jedoch alle Mitstreiter abgesprungen und es blieb nur der harte Kern über – die zwei Österreicher.Am Samstag war es dann jedoch so weit. Wir haben einen Tag verloren und mussten dementsprechend früh auf unsere Böcke steigen.
Die Fahrt verlief sehr gut und es war ein gutes Gefühl auf unseren Hobeln durch Indien zu düsen. Apropo Hobeln, die möchte ich euch natürlich auch nicht vorenthalten.
Nach neun Stunden auf den Motorrädern mit kleinen Pausen sind wir schließlich in Manali angekommen. Manali selbst war eher enttäuschend. Es ist mittlerweile genauso von Touristen überrannt, wie McLeod Ganj und dementsprechend besteht es größtenteils aus Shops und Restaurants aneinandergereiht. Da wir allerding außerhalb der Saison hingefahren sind, waren die Hälfte dieser Lokalitäten geschlossen und außer uns vielleicht noch drei weitere Bleichgesichter in der Stadt. Die Touristen sind uns nicht abgegangen, aber dementsprechend war auch nichts los und man konnte am Abend eigentlich nirgends hingehen, um den Tag ausklingen zu lassen.
In Manali haben wir zumindest ein Foto für meine liebe Schwägerin Michi schießen können.
In dieser Nacht hatten wir auf alle Fälle einen sehr guten, erschöpften Schlaf. Für den nächsten Tag haben wir geplant noch ein bisschen weiter zu fahren. Um genauer zu sein auf den Rhotang Pass, welcher bis auf 4000m Seehöhe hinaufgeht. Wir hörten, dass der Pass mittlerweile geschlossen ist, doch wir wollten es dennoch versuchen.Die Fahrt war sehr fein und nach kurzer Zeit lag auch schon Schnee. Dies beinhaltete aber auch, dass die Straße immer unfreundlicher wurde und nach der Hälfte der Strecke nur mehr aus schneebedeckten Eisplatten bestand. Wir mussten einsehen, dass wir vielleicht noch ein Stück weiter fahren konnten, jedoch nie wieder heil runtergekommen wären. Trotz unserer gezwungenen Umkehr war die Fahrt dort hinauf sehr fein. Wir auf den Bildern unschwer erkennen könnt, trage ich natürlich immer brav den Helm, welcher auch die Erklärung für die …äh… Frisur ist.
Für die Rückfahrt haben wir uns als Ziel Mandi festgesetzt, welches schon bei der Hinfahrt auf unserer Strecke lag. Wir wollten aber nicht den gleichen Weg zurückfahren und haben uns für eine wunderbare Strecke durch verschiedene Bergtäler entschieden. Die enge Straße ist auf den Hängen ziemlich aller Berge verlaufen, die ihr auf dem Foto seht.
17 km vor dem Ziel hat mein Motorrad dann jedoch beschlossen ein ziemlich ungutes Geräusch von sich zu geben. Als Ausgangspunkt haben wir das Getriebe lokalisiert und beschlossen, das Motorrad für den heutigen Tag ruhen zu lassen. Wir sind dann zu zweit auf einem Motorrad weiter nach Mandi gefahren. Mandi selbst hat einiges mehr geboten als Manali und auch hier haben wir erschöpft den Tag mit Abendessen und Stadtspaziergang beendet.Am nächsten Tag marschierten wir zu einem Mechaniker und erklärten ihm, dass er mein Motorrad von oben holen müsse. Da er aber allein in seinem Shop war, konnte er das nicht machen. Gott sei Dank sind wir aber in Indien und es war schnell ein Freund von ihm organisiert, der bereit war mit seinem »Truck«, wie er es nannte, das Motorrad zu holen.Die Fahrt von dem Abstellplatz nach Mandi habe ich dann zwar auf meinem Motorrad verbracht, allerdings vielleicht nicht ganz auf dem herkömmlichem Wege.
Auf indischen Straßen muss man auf alles gefasst sein. Wie man hier zum Beispiel sehen kann mit einer Ziegen- & Schafherde.
In Indien lernt man mit solchen Situationen umzugehen. Außerdem lernt man, dass es immer noch schlimmer kommen kann.
Von Mandi hat mein persönlicher Mechaniker aus McLeod Ganj das Motorrad abgeholt und mir am nächsten Tag wieder überreicht. Ich selbst habe die Heimreise im Bus angetreten, während mein Zivikollege in Rekordzeit die Rückfahrt auf seinem Motorrad antreten konnte.Dieser erste Motorradtrip war aber trotz kleiner Probleme wunderbar und ich habe ihn sehr genossen. Wieder konnte ich ein bisschen mehr von diesem Land sehen, dass mir immer besser gefällt. Mein Motorrad ermöglicht mir, Orte zu besuchen, die ich sonst nicht gesehen hätte und ich bin sehr froh darüber.Der nächste Motorradtrip kommt bestimmt.
School Partnership
Wenn ich gerade dabei bin, kann ich gleich noch einen Beitrag verfassen.
Ein Teil meiner Arbeit ist, wie ihr wisst, die im Oktober begonnene Schulpartnerschaft zwischen einer tibetischen Schulklasse und einer wiener Schulklasse. Die tibetischen Kinder haben bereits ihre ersten Briefe geschrieben und nach Österreich geschickt. Leider sind die Briefe so leiwand, dass der österreichische Zoll beschlossen hat, sie ein bisschen für sich zu behalten.
Um diese gezwungene Pause nun gut zu überbrücken, haben wir letztens wieder die tibetische Schulklasse besucht. Vor einiger Zeit haben wir nette Vorstellungsvideos von jedem einzelnen Kind gemacht und diese haben wir ihnen jetzt vorgeführt.

Die Kinder hatten sichtlich sehr viel Spaß beim Betrachten ihrer eigenen Videos.
Diese Videos könnt ihr euch übrigens auch ansehen unter: http://www.youtube.com/DhasaViennaExchange

Anschließend haben wir den Kindern noch Bilder von der Schullandwoche der österreichischen Schulklasse gezeigt, die mit großem Interesse verfolgt wurden.
Es macht enorm viel Spaß mit den Kindern zu arbeiten und ich bin sehr dankbar für diese Möglichkeit. Aber wie kann man das nicht sein bei so liebe Gfraster.

Nachtrag: Indische Hochzeit
So…ich habe einiges zum Nachreichen – womit fange ich an? Am besten mit dem, was schon am längsten her ist.Vor zwei Wochen ungefähr war mein Kollege und ich auf einer indischen Hochzeit eingeladen. Obwohl es eine Brahmanen (höchste Kaste) Hochzeit war, kam das Brautpaar aus relativ bescheidenem, armen Hause. In Indien wird es immer mehr Trend, Hochzeiten groß im westlichen Stil aufzuziehen. Doch aus den vorher genanntem Grunde war diese Hochzeit sehr traditionell und ein wahnsinnig schönes Erlebnis.Eine Hochzeit dauert normalerweise drei Tage, diese hat allerdings nur zwei Tage gedauert. Es ist ganz genau abgestimmt, wann was gemacht werden muss – das ist alles astrologisch ausgerechnet. Es gibt auch nur alle paar Monate »Hochzeitstage«, an denen eben der Mond so steht, dass geheiratet werden kann. In dieser guten Woche sind dann dafür überall viele Hochzeiten und das schönste daran ist, jeder ist zum Essen eingeladen. Also wenn man wo vorbei geht und sieht, dass eine Hochzeit stattfindet, kann man ohne weiteres hineingehen, essen und wieder gehen.Aber nun wieder zurück zu unserer Hochzeit. Hochzeitsgäste treffen getrennt bei dem Familienhaus der Braut oder dem Familienhaus des Bräutigams ein und verbringen dort einen ereignisreichen Tag. Wir waren von der Bräutigamseite eingeladen und konnten dementsprechend dort alles miterleben.Das Kochen für Hochzeiten ist eine eigene Kunst und Wissenschaft, die in vielen Jahren von Meistern erlernt werden muss. Der Koch muss mit der Schwierigkeit umgehen nie zu wissen, wieviele Gäste kommen. Das können 1000 oder auch 3000 oder mehr hungrige Mäuler sein, die zu stopfen sind. Gekocht wird sehr traditionell in großen speziellen Töpfen über offenem Feuer.
Gegessen wird den ganzen Tag und so oft man will. Man muss nur einen freien Platz ergattern und dann kann man schon losschlemmen. Auch das Essen ist eine Art Zeremonie. Man bekommt dreimal Reis, sieben verschiedene Gerichte und am Ende noch süßen Reis. Es war auf alle Fälle das beste indische Essen, das ich je gegessen habe.Die Gäste sitzen am Boden und essen mit den Fingern von Blättern, die anschließend zusammengefaltet werden und später Tieren zum Essen gegeben werden. Ein perfekter ökologischer Kreislauf ohne Müllentstehung.
Es gibt natürlich Musiker, die den ganzen Tag spielen und es darf und soll getanzt werden, bis die Schuhsohlen rauchen. Diese Musiker müssen schon Monate im Vorraus gebucht werden. Denn da es immer nur so eine kurze »Hochzeitssaison« gibt, sind sie dementsprechend ausgelastet.
Den Nachmittag über findet ein spezielles Reinigungsritual unter vielen anderen Ritualen statt. Dies beinhaltet beispielsweise auch, dass der Bräutigam rasiert wird und einen neuen Haarschnitt bekommt. Der Friseur, der für die Hochzeit engagiert wird rasiert auch noch gratis den ganzen weiteren Tag Hochzeitsgäste und ist außerdem für alle weiteren Reinigungsrituale verantwortlich. Diese Reinigungsrituale beinhalten auch, dass der Bräutigam insgesamt dreimal gebadet wird.
Anschließend wird der Bräutigam wieder in einer großen Zeremonie mit ebenfalls speziell gereinigten Kleidern eingekleidet. Auch wenn die Person auf dem Bild, wie ein Indianerhäuptling aussieht, es ist der Bräutigam.
Nach dem Einkleiden sind alle Hochzeitsgäste mitsamt Bräutigam und dessen Gefolgschaft zum Familienhaus der Braut aufgebrochen. Dort gab es ähnlich wie bei uns den ganzen Tag Rituale. Nachdem alle zusammengetroffen sind, beginnt die eigentliche Hochzeit und dreimal dürft ihr raten – genau, es gibt natürlich auch die ganze Zeit nebenbei Essen.Schwer verhüllt neben dem Bräutigam sieht man die Braut. Auf beiden Seiten sitzen jeweils der Priester des Bräutigams und der der Braut.
Nach dieser Zeremonie müssen alle außer das Brautpaar das Haus für die Nacht verlassen und der Festpaar verbringt gemeinsam die letzte Nacht im Elternhaus der Braut. Am nächsten Tag wird die Braut mit riesiger Tränenparade verabschiedet und alles zieht weiter in das Haus, wo das Brautpaar ab nun gemeinsam wohnen wird. Der weitere Tag besteht im Großen und Ganzen wieder eigentlich aus Essen für alle Gäste.Es war ein wunderbares Erlebnis, dass ich auf keinen Fall missen möchte und an welches ich mich noch sehr lange erinnern werde.
